Wiederwahl - Sinnvoll oder nur bequem ??
Quelle: "Gartenfreund", Verlag W. Wächter, Bremen
Wiederwahl – sinnvoll oder nur bequem?
Willst Du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben! Willst du
nicht zu früh ins Grab, lehne jedes Amt gleich ab.“ Dieses Gedicht
des bekannten Dichters Wilhelm Busch beschreibt in sieben – humorvoll wie ernst
gemeinten – Versen die Einstellung vieler Menschen zum Ehrenamt. Auch in unseren
Vereinen prägt diese Denkweise viele Mitgliederversammlungen. Ein Ehrenamt
übernehmen? Lass mich damit bloß in Ruhe, das sollen Andere tun!
In den Versammlungsräumen spielt sich daher auch Jahr für Jahr
die gleiche Szene ab, dort treffen wir auf zwei Personen: Herrn und Frau
Wiederwahl.
Die kennen Sie doch?
Nein? Dann gehen Sie einmal zur Jahreshauptversammlung Ihres Vereins. Dort
treffen Sie die beiden regelmäßig an.
Die Wiederwahl ist eine
beliebte Entscheidung. Die Vorstandsposten müssen neu besetzt werden, und – hat
man sich gerade noch über die anstehende Gemeinschaftsarbeit oder die Ruhezeiten
in der Gartenordnung gestritten – plötzlich herrscht Einigkeit: Wiederwahl.
Natürlich haben wir in
unseren Vorständen viele Gartenfreundinnen und Gartenfreunde, die ihre Aufgaben
zuverlässig und engagiert erledigen. Sie sind in unseren Vereinen unverzichtbar,
und wir müssen ihnen unser Vertrauen schenken. Mit unserer Stimme zeigen wir
ihnen, dass wir ihre Arbeit schätzen und sie weiter unterstützen werden.
In wie vielen Fällen
rutscht uns der Ruf „Wiederwahl“ aber nur so heraus, wenn es um die Frage geht:
Wer will eine Aufgabe im Vorstand übernehmen?
„Wiederwahl!“ Das erspart
uns darüber nachzudenken, ob wir selbst Verantwortung übernehmen müssen und
wollen.
„Wiederwahl!“ Du hast das
schon so lange gemacht! Kein Gedanke daran, ob der vorgeschlagene Kandidat nach
den vielen Jahren auch einmal in den wohlverdienten Ruhestand eintreten will.
„Wiederwahl!“ Da können
wir einschätzen, wie es in den nächsten Jahren im Verein weitergeht. Wir brauchen
uns keine Sorgen zu machen, dass mit neuen Personen auch ein neuer Wind
im Verein wehen wird. „Wiederwahl!“ Alles bleibt so, wie es ist!
Wie gesagt, es gibt viele Vereine, in denen diese
Entscheidung die einzig Richtige ist und die, die dem Verein eine zuverlässige
und verantwortungsvoll ausgeübte Führung garantiert. Aber in all den Fällen, in
denen Wiederwahl nur eine bequeme Entscheidung ist, müssen alle Mitglieder
darüber nachdenken, ob sie ihrer Mitverantwortung gerecht werden.
Die Vorstände in unseren Vereinen haben eine wichtige
Funktion. Sie müssen mit Fachverstand, Augenmaß und Einfühlungsvermögen den
Verein leiten und wichtige Entscheidungen treffen. Dafür müssen sie befähigt
sein, bereit sein, sich fortzubilden und Zeit und Kraft zu investieren. Und wir
müssen das Vertrauen haben, dass sie ihre Aufgabe gerne übernehmen und mit
Sorgfalt ausüben.
Eine Wahl ist eine Entscheidung, die mit gegenseitigem
Respekt und mit Toleranz verbunden ist. Überlegen wir genau, ob es das Richtige
ist, wenn es bei der nächsten Mitgliederversammlung heißt: „Wiederwahl!“
Denn auch diese Weisheit von Wilhelm Busch muss für
Mitglieder und Vorstand gleichermaßen gelten:
„Ach, die allergrößte Freud‘ ist
doch die Zufriedenheit!“
Joachim
Roemer,
stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Niedersächsischer
Gartenfreunde
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