Vorurteile gegenüber Kleingärten
Die Idee
„Auch wer sich kein eigenes Haus leisten kann, soll Zugang zur Natur haben!“
Als der Leipziger Arzt Dr. Daniel Schreber Anfang des 19. Jahrhunderts diese
Forderung aufstellte, sah die Realität freilich noch ganz anders aus. Im
Zeitalter der Industrialisierung prägten enge, dunkle Unterkünfte und lange
Arbeitstage das Leben der Menschen. Gärten sollten nach Schrebers Vorstellung
den Kindern als Spiel- und Turnplatz dienen, um so ihre Gesundheit zu fördern.
Wichtig war aber auch der Eigenanbau von Obst und Gemüse. Dies diente einer
gesunden Ernährung und schonte die stets knappe Haushaltskasse der Familien. Aus
dem ersten Schreberplatz in Leipzig wurden bald die „Schrebergärten“ für die
ganze Familie. Besonders beliebt wurden sie in den städtischen Ballungsräumen
wie Berlin und dem Ruhrgebiet.
Neue Zeiten
Die Zeiten haben sich geändert. und was als fast revolutionärer Beitrag zur
Volksgesundheit begann, kämpfte seit Ende der 60-er Jahre eher mit den
Vorurteilen von Spießertum, kleinbürgerlichem Mief und Vereinsmeierei. Der
Gartenzwerg ist zum Hass-Symbol einer ganzen aufbegehrenden Generation geworden.
Die "Generation Golf" entdeckt den Garten neu
Doch was gestern noch als absolut spießig und uncool galt, wird heute von
vielen jungen Familien neu entdeckt. Für die "Generation Golf", jenen heute
30jährigen, die in den 80er Jahren markenbewusst und trendorientiert
aufgewachsen sind und sich über die Zukunft keine ernsthaften Sorgen machen
mussten, ist gesellschaftlicher Protest nie wirklich ein Thema gewesen. Bei den
Anti-Kernkraft- und Friedensdemos der frühen 80er war man einfach noch zu jung.
Dies gab dieser Generation die Möglichkeit, die Werte und Ideale früherer Zeiten
wieder zu entdecken.
Erholung, Ruhe und Entspannung werden unter dem Modebegriff „Wellness“ wieder
zum Lebenskonzept. ganz im Gegensatz zum leistungsorientierten Aerobic der 80er
Jahre steht der Spaß dabei im Vordergrund. Eigene Kinder und das Bausparen
gehören wieder wie selbstverständlich zur Lebensplanung. Das eigene Heim wird
zum Dreh- und Angelpunkt der Freizeit. Trendforscher sprechen vom so genannten „Cocooning“,
dem Einspinnen in die eigene Wohlfühl-Welt. Und so gewinnen Inneneinrichtung und
vor allem auch der Garten als Erlebnisbereich immer mehr an Bedeutung.
Kleingärten - der Versuch einer Übersicht
Alles, nur kein Stress
Einige Fragen sind auch fast 150 Jahre nach Dr. Schreber noch immer
die gleichen geblieben:
Wo können Kinder gefahrlos spielen und lernen, dass Bohnen nicht nur
aus der Tiefkühltruhe kommen? Wo finden gestresste Berufstätige ihren
körperlichen und seelischen Ausgleich? Und so werden die Schrebergärten heute
von den jungen Familien wieder neu entdeckt. Sie erleben den eigenen (Klein)garten
als Freizeitoase der Entspannung und der kreativen Entfaltung. Aber: alles easy,
nur kein Stress., die vor der bundesdeutschen Wiedervereinigung ordnungsgemäß
erbaut wurden, besitzen Bestandsschutz. Das personenbezogene Wohnrecht ist
allerdings nicht übertragbar.
Eine Streuobstwiese an der Datsche, Erdbeerbeete und Rosenstöcke am eigenen
Haus: Auch das sind kleine Gärten. Aber sind es sind keine Kleingärten. Denn
hinter dem Begriff Kleingarten verbirgt sich mehr, als nur anbauen, pflegen und
ernten von Obst, Gemüse und Pflanzen. Neben der gärtnerischen Nutzung und der
Erholung steht vor allem das Miteinander verschiedener Generationen und sozialer
Schichten im Vordergrund. Den klassischen Kleingarten gibt es deshalb nur in
einem gemeinnützigen Verein. Kleingartenvereine sind öffentliche Anlagen, die
mehrere Einzelgärten zusammenfassen und Spielflächen für Kinder und ein
Vereinshaus besitzen.
Größe
Kaum zu glauben, aber der Kleingarten ist in Deutschland so wichtig, dass
alle wichtigen Details, die ihn betreffen, in einem eigenen Bundesgesetz
geregelt sind. Das Bundeskleingartengesetz (BkleinG) legt zum Beispiel fest,
dass die Richtgröße für einen Kleingarten, je nach Fläche der Gesamtanlage 400
m² ist. Lauben sollen nicht größer als 24 m² sein, inkl. Freisitz. Hat der
Garten eine Fläche von weniger als 200 m², darf das Haus nur höchstens 18 m²
groß sein. Eine Ausnahme gilt für alte Lauben. Im Gesetz heißt es auch, dass
Bauten, die vor der Wiedervereinigung errichtet wurden, Bestandsschutz genießen.
Erwerb
Bei der Suche nach einem geeigneten Fleckchen Erde, lohnt sich ein Blick in
Tageszeitungen, Gartenzeitschriften, aufs schwarze Brett Ihres Supermarktes oder
in die ins Internet. Oder Sie schlendern durch die Kleingartenvereine in Ihrer
Nähe und schauen dort, ob Gärten zum Verkauf stehen. Häufig werden vakante
Gärten auch am Vereinshaus annonciert. Haben Sie den Garten Ihrer Träume
gefunden, dann machen Sie einen Termin mit dem Vorstand des Kleingartenvereins,
denn: An einer Mitgliedschaft in einem Kleingartenverein führt nichts vorbei!
Erst wenn Sie dem Verein beigetreten sind, können Sie einen Garten zur Pacht
beantragen. Der Vorstand regelt das vertragliche mit Ihnen.
Kosten
Auch wenn ein Kleingarten von privat angeboten wird, so ist der
Kleingartenverein in aller Regel der Pächter und der Kleingärtner der
Unterpächter für das Grundstück. Für das Grundstück fällt im Jahr einen festen
Pachtzins pro m² an. Die Einrichtungen auf dem Grundstück (z.B. Pflasterungen,
Pflanzen, Stauden und Obstbäume) werden von geschulten Wertermittlern geschätzt
und vom Kleingärtner gekauft. Ein gepflegter Kleingarten mit Laube kann durchaus
3.000 Euro (in Großstädten sicher mehr) kosten. Grundstücke, die längere Zeit
ungenutzt waren sind günstiger zu haben. Allerdings ist die Neuanlage eines
Kleingartens mit Auflagen verbunden und Sie müssen (besonders zu Beginn) viel
Zeit investieren. Aber mit den Anschaffungskosten hören die Ausgaben nicht auf.
Folgende laufenden Ausgaben sind unbedingt mit einzukalkulieren:
Mitgliedsbeitrag (pro Garten) / Pachtzins pro m² / Öffentlich-rechtliche Lasten
(Straßenreinigung und Grundsteuer) / Wasser und Abwasser / Gegebenenfalls Strom
/ Feuer- und Haftpflichtversicherung für die Laube sind Pflicht. Versicherungen
gegen Diebstahl und Einbruch sind zu empfehlen. Auch Kosten für die
straßenbauliche Erschließung können u. U. auf Pächter umgelegt werden. So kann
schon ein Betrag von 200 - 300 Euro jährlich kalkuliert werden.
Rechte und Pflichten
Pachten Sie einen Kleingarten, so müssen Sie die Gartenordnung des Vereins
unterzeichnen. Damit verpflichten Sie sich zu einer kleingärtnerischen Nutzung
Ihres Gartens unter Berücksichtigung von Natur- und Umweltschutz. Mindestens ein
Drittel der Gartenfläche muss zum Anbau von Obst und Gemüse verwand werden. Wer
nur Gras säen und seine Tage auf der Hollywoodschaukel verbringen will, hat
absolut keine Gelegenheit! Die üblichen Ruhezeiten mittags und abends sind
einzuhalten – Rasenmähen und laute Musik während der Mittagsruhe sind tabu.
Kleingartenvereine sind auch für das Gesamtbild der öffentlichen Anlagen
zuständig, weswegen jedes Mitglied pro Jahr gemeinnützige Stunden abzuleisten
hat.
Anbau
Obst- und Gemüseanbau zur eigenen Nutzung sind Markenzeichen eines
Kleingartens. Kleinwüchsige Obst- und Ziergehölze sind erlaubt, Gehölze, die von
Natur aus höher als drei Meter werden dagegen nicht. Siehe jeweilige
Gartenordnung. Die Gartenordnung setzt klare Grenzen. Wer beispielsweise einen
Ökogarten mit großer Pflanzenvielfalt anlegen will, kommt in den Verdacht, den
Maßstäben des Vereins nicht zu genügen.
Übernachten
Während der Sommerferien und an den Wochenenden dürfen Sie u. U. in Ihrer
Gartenlaube übernachten. Allerdings darf die Gartenlaube keinen dauerhaften
Wohncharakter besitzen. Wasser und Strom sind erlaubt, Gas und Kanalisation aber
schon nicht mehr. Satellitenschüsseln und Telefonanschlüsse sind auch untersagt.
Näheres in den jeweiligen Gartenordnungen und in der kommunalen Bauordnung.
Gartenlauben, die vor der bundesdeutschen Wiedervereinigung ordnungsgemäß erbaut
wurden, besitzen Bestandsschutz. Das personenbezogene Wohnrecht ist allerdings
nicht übertragbar.
Gartenhaus vermieten
Dieses ist nicht möglich. Sind Sie aber längere Zeit verhindert, dann kann
ein Freund oder der Nachbar die Pflege Ihres Gartens übernehmen. In solchen
Fällen sollte immer der Vorstand unterrichtet werden, damit es zu keinen
Missverständnissen kommt.
Planschen im Garten
Ein mobiles Planschbecken ist in Ordnung, ein Swimmingpool nicht. Allgemein
gilt: Sämtliche dauerhaften Einrichtungen auf einem Kleingartengrundstück müssen
durch den Vorstand im Einklang mir der Bauordnung genehmigt werden.
Veränderungen, die das Gesamtbild des Grundstücks durch Mauern oder andere fest
installierte Einrichtungen verändern sind in der Regel untersagt. Führen Sie
daher niemals eine bauliche Veränderung ohne Baugenehmigung durch den Vorstand
durch, sonst ist Ärger vorprogrammiert.
Grillen
Dieses gehört zum Alltag im Kleingarten. Lagerfeuer sind hier aber verboten
und der Grill darf nicht ohne Genehmigung fest installiert sein.
Tierhaltung
Ist in der Regel untersagt.
Pachtende und Entschädigung
Gibt es in der Regel - allerdings mit Einschränkungen: Aufwendungen, die
nicht mit dem sozialen Charakter des Kleingärtnerwesens und den Vorgaben des
Bundeskleingartengesetzes in Einklang zu bringen sind, werden bei der
Wertermittlung nicht berücksichtigt. Die Kleingartenvereine sind dazu
angehalten, den sozialen Charakter zu wahren. Deswegen kann ein hoher
Wertverlust oder sogar ein Rückbau auf eigene Kosten (sofern gegen Auflagen
verstoßen wurde) nicht ausgeschlossen werden. Weitere Auskünfte erteilt gern
jeder Kleingartenverein und Verband.
Text durfte mit freundlicher Genehmigung der Leute :
http://www.winkler-werner.de/
Übernommen werden . Vielen Dank
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