Marketing im Kleingarten
Quelle: "Gartenfreund", Verlag W. Wächter, Bremen
Werner
Heidemann
Geschäftsführer
des Landesverbandes Westfalen und Lippe der Kleingärtner
Vereine brauchen
Marketing!
Erfolg ist für die meisten Unternehmen
kein Zufall; sie haben lange darüber nachgedacht, welche Zielgruppen von
Verbrauchern erreicht und wie diese angesprochen werden sollen. Unternehmen
setzen sich Ziele und entwickeln Strategien, um sie zu erreichen. Und dann wird
gefeilt, z.B. an der Sortimentszusammenstellung, der Warenpräsentation, dem
Erscheinungsbild der Verkaufsstelle, an Formen der Werbung und der Formulierung
von Werbeinhalten.
Marketing im Kleingärtnerverein? Das mag
bei dem einen oder anderen Vereinsmitglied noch Kopfschütteln hervorrufen.
„Für uns bringt das nichts! Sollen das doch die Unternehmen und kommerziell
orientierten Großvereine machen“, meinen die Skeptiker. „Marketing gehört
mittlerweile zu einer guten Vereinsstrategie dazu. Vereine stehen im Wettbewerb
mit anderen attraktiven Freizeitangeboten. Das gilt auch für
Kleingärtnervereine“, hält Birgit Frey, Geschäftsführerin des Zentrums für
Nonprofit-Management (npm), Münster,
dagegen. „Die Menschen können sich nur
für Angebote entscheiden, von denen Sie etwas gehört haben und die ihnen
attraktiv erscheinen. Genau da setzt Marketing an“, ergänzt Birgit Frey.
(Informationen zum Zentrum für Nonprofit-Management siehe auch untenstehender
Kasten.)
Wo wollen wir als Verein in drei oder fünf
Jahren stehen? Welche Zielgruppen sprechen wir an? Wie präsentieren wir uns? Was
können wir besser machen? Wo sind unsere Stärken? Welche personellen und
finanziellen Rahmenbedingungen braucht unser Verein? Das sind wesentliche
Kernfragen, die es im Rahmen einer Marketingstrategie zu beantworten gilt!
Alles in allem betreiben viele
Kleingärtnervereine bereits Marketing, vielleicht auch unsystematisch und ohne
ihre Aktivitäten als solche zu verstehen. Heute kann der Vereinsvorstand nicht
mehr darauf setzen, dass sich Wartelisten für Gartenanwärter von selbst füllen.
Er weiß, dass er dem Bürger ein freundliches und weltoffenes Kleingartenwesen
präsentieren muss, um so Outdoor-, Natur- und Gartensympathisanten für den
Kleingarten zu gewinnen.
Wege, die zum Ziel führen, gibt es viele.
Die Beteiligung der Kleingärtnervereine an Stadtteilfesten und
Regionalausstellungen, Kleingartenbörsen im Internet, Gartenaktionen mit
Kindergärten und Schulklassen – um nur einige Aktivitäten aufzuzeigen – sind
immer auch ein Stück weit Marketing für das Kleingartenwesen. Auf den Seiten
16/17 dieser Ausgabe erfahren Sie konkret, wie Vereine ihre Kleingartenideen
vermarkten und so den Nachwuchs in den Kleingarten holen.
Mit Projekten, Festen und Präsentationen das
Kleingartenwesen stärken
Die verschiedenen sozialen und
ökologischen Funktionen des Kleingartenwesens wurden schon in vielen
Veröffentlichungen dargestellt. Um sie aber in allen Bereichen wahrnehmen zu
können, müssen sich auch Menschen finden, die in ehrenamtlicher Arbeit aus
Worten Taten machen.Das setzt voraus, dass es möglichst viele Bewerber für
Kleingartenparzellen gibt, damit das uns anvertraute Land vollständig als so
genannte „grüne Oasen“ genutzt wird. Das wiederum bedeutet, dass viele Menschen
bereit sein müssen, ein Pachtverhältnis für eine Kleingartenparzelle zu
begründen und auf dieser entsprechend des Bundeskleingartengesetzes
kleingärtnerisch tätig zu sein.
Funktionen übernehmen
Nur so lassen sich die immer dringender
benötigten Grünzonen erhalten. Da sich ein solches Projekt nicht im Selbstlauf
verwirklicht, sondern einer kontinuierlichen Verwaltung bedarf, müssen sich
verantwortungsbewusste Menschen – in diesem Fall Gartenfreunde – finden, die
Funktionen vom Vorsitzenden bis hin zum Wasserwart übernehmen. Deshalb muss das
Kleingartenwesen so interessant gemacht werden, dass sich zum einen immer
genügend Bewerber für die Übernahme aufgegebener Parzellen finden und zum
anderen unter den Mitgliedern der Vereine genügend Freiwillige sind, die ein Amt
übernehmen, um die Kleingartenflächen auf Dauer zu verwalten.
Öffentlichkeitsarbeit wichtig
Viele
Verbände und Vereine stellen mit großer Sorge fest, dass es in der heutigen Zeit
aus verschiedenen Gründen nicht immer einfach ist, genügend Bewerber und
Freiwillige zu finden. Darum ist es dringend erforderlich, durch eine gezielte
Öffentlichkeitsarbeit das Kleingartenwesen in all seinen Facetten bekannt
zu machen. Dabei stehen wir nicht am Anfang, denn es gibt bereits in vielen
Regionen Aktivitäten und Projekte, die auf die Werbung neuer Mitglieder
abzielen. Sie reichen von der Teilnahme an Veranstaltungen der Städte und
Gemeinden bis hin zum Angebot für einen Besuch in einem „gläsernen Garten“ und
bilden die Grundlage dafür, dass die Attraktivität des Kleingartenwesens dem
einzelnen Bürger bekannt gemacht wird.Da es in den einzelnen Bundesländern eine
Vielzahl werbewirksamer Ideen gibt, diese aber oft nur auf einen konkreten
Standort begrenzt sind und in vielen Fällen der Einmaligkeit zum Opfer fallen,
sollen im folgenden Anregungen gegeben werden, wie in Vereinen und Verbänden
eine aktive Mitgliederbindung betrieben werden kann.
In diesem Sinne seien genannt:
·
Tag des Gartens: Ein Tag, der in allen Landesverbänden und
Vereinen zu einem bestimmten Datum im Jahr gefeiert werden sollte, um so
deutlich zu machen, wie viele Menschen mit dem Kleingartenwesen verbunden sind
und welche Leistungen die Kleingärtner im sozialen und ökologischen Bereich
vollbringen.
·
Teilnahme an Festen der Städte und Gemeinden: Z.B. kann bei
Erntedankfesten oder Umweltfesten durch die Präsentation der Erfolge und
Möglichkeiten des Kleingartenwesens deutlich gemacht werden, dass Kleingärtner
Teil der Gesellschaft vor Ort sind und Kleingartenanlagen eine enge Verbindung
von Wohnen und Erholen bilden.
Tage
der offenen Tür in den einzelnen Vereinen:
Die Bürger der Umgebung werden zu einem Besuch der Kleingartenanlagen
eingeladen, um mit Pächtern
·
gemütliche Stunden zu verleben und dabei das Kleingartenwesen
näher kennen zu lernen.
·
Präsentationen an zentralen Punkten: z.B. Informations- und
Beratungsstände in Kaufhäusern, Einkaufscentern, aber auch im öffentlichen
Straßenbild, um den Bürgern das Kleingartenwesen im alltäglichen Leben näher zu
bringen.
·
Gemeinsame Aktionen mit Wohnungsbaugesellschaften oder
anderen Wohnungsvermietern unter dem Motto „Zu einer Wohnung gehört auch eine
grüne Oase, um das Leben vollkommen zu machen.“
·
Anziehungspunkte für die Bevölkerung innerhalb von
Kleingartenanlagen schaffen, die wie Magnete dazu beitragen, Menschen des
Umfeldes zu einem Besuch der Anlage anzuregen. Dazu eignen sich z.B.
Veranstaltungen in Vereinshäusern, die durch entsprechende Informationen
öffentlich gemacht werden, z.B. Kinderfeste, Sommerfeste,
Seniorenveranstaltungen bis hin zu einem gemeinsamen „Rutsch ins neue Jahr“.
Weiterhin können das aber auch Spielplätze sein, die Eltern und
Großeltern mit den Kindern in die Anlage bringen und sie dabei indirekt mit den
Vorzügen einer kleingärtnerischen Gemeinschaft konfrontieren.
In diesem Zusammenhang spielen auch Naturlehrpfade eine große Rolle. Sie
tragen dazu bei, dass interessierte Bürger – aber auch Kindergärten und
Schulklassen – in Kleingartenanlagen kommen, um die Flora und Fauna ihrer Region
näher kennen zu lernen. Auf diese Weise können Naturlehrpfade auch zu aktiver
Mitgestaltung anregen.
·
Thematische Koloniespaziergänge sowohl unter Aspekten des
Natur- und Umweltschutzes (Pflanzenkrankheiten, Nützlinge, gefiederte Freunde)
als auch unter planerischen und politischen Aspekten (Kleingartenanlagen und ihr
Umfeld, Festsetzung von Dauerkleingartenanlagen, aktuelle Probleme und ihre
Lösung) mit dem Ziel, Kleingartenflächen zum integrierten Bestandteil der Region
zu machen und ihre Attraktivität als Stätten mannigfaltiger Freizeitgestaltung
hervorzuheben.
·
Lehrgärten, in denen Kinder und Jugendliche sich
insbesondere mit der heimischen Flora vertraut machen und ihre Arbeit vor Ort
als wesentlichen Inhalt kleingärtnerischer Tätigkeit erkennen. Dabei ist es auch
das Ziel, folgendenden Zusammenhang herzustellen: Die Kinder haben Spaß an der
Gartenarbeit, gleichzeitig lernen ihre Eltern und Großeltern einen
Kleingärtnerverein kennen, bekommen eventuell ein eigenes Interesse an einem
Garten, identifizieren sich mit dem Wort „Gartenfreund“ und entscheiden sich
möglicherweise dafür, einen Kleingarten pachten.
·
„Gläserne Gärten“ schaffen und bekannt machen, die dem
interessierten Bürger gestatten, eine Pächterfamilie auf ihrem individuell
gestalteten Grundstück zu besuchen und mit ihr gemeinsame Stunden auf der
Parzelle zu verbringen. So bekommen die Besucher ein „Gefühl“ für
„Kleingärtnerei“ und die damit verbundenen Freuden – aber auch Pflichten.
Neben
den dargestellten Projekten und Aktivitäten, die sich in den meisten Fällen auf
eine begrenzte Region oder auf einen bestimmten Anlass beziehen, muss parallel
dazu und übergreifend für das Kleingartenwesen geworben werden. Möglichst viele
Menschen sollen erfahren, dass Kleingärten nicht auf die Vorsilbe „Klein“ zu
reduzieren
sind, sondern dass ihnen Begriffe wie „Grüne Oasen“,
„Refugien der Natur“ und „Rückzugsgebiete heimischer Flora und Fauna“ zu Recht
zustehen. Und das im engen Wechselspiel damit, dass Räume für eine aktive
Freizeitgestaltung im gärtnerischen Bereich für Menschen aller Altersstufen
geschaffen werden.
Die Möglichkeiten des Internets
nutzen
Eine solche übergreifende Werbung kann erfolgreich und
wirksam realisiert werden, indem z.B. die Vorzüge und Möglichkeiten des
Kleingartenwesens über „Power-Point“-Präsentationen sowie in den
Internetdarstellungen von Ämtern und Behörden – von der kleinsten Gemeinde bis
hin in die Bundesministerien – vorgestellt werden. Gleichermaßen wirksam – dann
aber bezogen auf die Regionen – sind Homepages der Verbände und Vereine, die die
Vielgestaltigkeit kleingärtnerischer Tätigkeit und den Spaß an einer aktiven
Betätigung in einem Kleingarten widerspiegeln und so die gewünschte Neugierde
auf aktives Mitmachen wecken.
Alle Projekte sind nicht einfach zu realisieren und
erfordern sowohl den Einsatz unzähliger Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit sowie
nicht unbeträchtlicher finanzieller Mittel. Es ist aber trotzdem die einzige
Möglichkeit, das Kleingartenwesen unbeschadet und ohne Abstriche in die Zukunft
zu führen. Deshalb sind auf allen Ebenen die Kräfte auf das Ziel zu
konzentrieren, möglichst kein Kleingartenland zu verlieren.
Dr. Norbert
Franke,
Vizepräsident
der Landesverbandes Berlin
der Gartenfreunde
|